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Bulgarien: Wirtschaft

24.01.2019 - Artikel

Bis Ende der 1990er Jahre war Bulgarien ein Beispiel weitgehend erfolgloser Transformation in Politik und Wirtschaft. Seit Anfang des Jahrtausends und insbesondere seit der EU-Mitgliedschaft 2007 hat das Land einen allgemeinen Aufwärtstrend erfahren, jedoch wächst die Wirtschaft noch zu langsam, um den großen Abstand zum europäischen Durchschnitt aufzuholen. Korruption und ineffiziente Verwaltung, ein schwaches Justizsystem und oligarchische Strukturen schwächen das Investitionsklima und ökonomische Möglichkeiten.

Die Wirtschaft Bulgariens ist vor allem im Süden des Landes konzentriert. Die am stärksten entwickelten Regionen sind Sofia, Plovdiv, Burgas, Stara Zagora sowie in Nordostbulgarien Varna. Die Region Nordwestbulgarien ist die wirtschaftlich am wenigsten entwickelte Region des Landes. Der Dienstleistungssektor ist mit 67,4% des BIP die Stütze der bulgarischen Wirtschaft. Bulgarien weist das niedrigste BIP pro Kopf (7.099 Euro; EU: 32.700 Euro, BIP-Wachstum 2017 lag bei 3,8%) sowie eine der höchsten Armutsquoten (2017: 30,0%) innerhalb der EU auf.  Der Außenhandel ist 2017 um über 10% auf 56 Mrd. Euro gestiegen. Daran hat Deutschland als größter Handelspartner einen Anteil von ca. 7,5 Mrd. Euro bei fast ausgeglichener Bilanz.

Jedoch deuten eine niedrige Erwerbsbeteiligung und Fehlqualifizierungen laut EU-Kommission weiterhin auf beträchtliche strukturelle Herausforderungen für Arbeitsmarkt und Bildungspolitik hin. Hohe Einkommens-Disparitäten prägen zudem das Bild. Bulgarien hat (laut Eurostat-Angaben von 2016) mit 4,49 Euro die niedrigsten Lohn-und Lohnnebenkosten pro Stunde in der EU. Auswanderung und eine schrumpfende Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter stellen ein zusätzliches langfristiges Risiko für das Wachstumspotenzial der Wirtschaft dar (IWF: 2017: 7,05 Mio. Einwohner, davon 21% älter als 65 Jahre; Prognose 2060: 5,5 Mio. Einwohner, davon 32% älter als 65).

Die guten Fremdsprachenkenntnisse der Bevölkerung kombiniert mit dem geringen Lohnniveau machen Bulgarien zu einem attraktiven Outsourcing-Standort für Kundenservicecenter, call Center und IT-Dienstleistungen. Auch vergleichsweise niedrige Lohnkosten und Steuern, eine Vielzahl an deutschsprachigen Arbeitnehmern, die EU-Zugehörigkeit sowie die strategische geographische Lage als Brücke zwischen Europa und Asien und die stabile Währung sind Stanortvorteile Bulgariens.

Wettbewerbsnachteile sind die unzureichende Verlässlichkeit des rechtlichen Rahmens sowie Mangel an qualifiziertem Personal, insbesondere im IT-Bereich. Die öffentliche Infrastruktur, insbondere im Verkehrs- und Gesundheitswesen als auch bei Bildung und Forschung, wurde lange vernachlässigt und liegt weit hinter dem EU-Durchschnitt. Staatliche Unternehmen sind überschuldet und können nicht oder nur zu niedrigen Preisen privatisiert werden. Das Land bleibt zudem laut Weltbank das am meisten vom demografischen Wandel betroffene Land. Auswanderung der Bildungseliten wegen beruflicher Chancenlosigkeit und die mangelnde Integration der geburtsstärkeren Roma-Bevölkerung verschärfen das Problem.

Hinweis: Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

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